Küdde - Geschichte und Gegenwart |
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Der Zweite WeltkriegPommernwall
Nach dem I. Weltkrieg begann Deutschland die Vorbereitungen zum Bau der Befestigungen entlang der neuen Grenze mit Polen. Diese Befestigungen – bekannt als Pommernstellung oder Pommernwall – sollten vor polnischen Angriffen schützen oder einen deutschen Angriff auf Polen sichern. Die Arbeiten begannen schon 1932, entwickelten sich aber erst nach Hitlers Machtübernahme. In der Gegend von Neustettin begann der Bau der Stellung im Jahre 1934. Neustettin und Deutsch Krone waren die Schlüsselpunkte (sog. Operationskorridore) in der ganzen Linie. 1934 enstand auch der Abschnitt zwischen Vilm- und Dolgensee. Die letzten Arbeiten wurden noch kurz vor der sowjetischen Offensive durchgeführt (Juli 1944 – Januar 1945), aber die Anlagen – wie der grosse Teil der Stellung – waren nicht vollständig kampfbereit. Die Befestigungen in der Gegend von Küdde sollten die linke Flanke des Neustettiner Korridors vor der Umgehung über Sparsee schützen. Der Abschnitt „E” besteht aus folgenden Objekten (Der Klick auf die Nummer in dieser Tabelle verweist auf den Plan des Objekts):
Erläuterungen: 1 Erste Nummer – siehe Karte unten 2 Eisenbeton - 1m und Panzerplatten – ca. 100 mm 3 Kasematte - Kampfraum mit Panzerplatten vorn und oben 4 Eisenbeton - 0,60 m und Panzerplatten – 60 mm 5 In Klammern: die Abkürzung des Abschnitts (E) und Nummer des Objektes. Die anderen Decknamen hatten die Objekte ohne Kampfräume. 6 Die dritte Nummer wurde nach dem Krieg vergeben. Unten: die Karte mit der Pommernstellung zwischen Vilm- und Dolgensee (aufgrund der Karte im Buch von J. Miniewicz und B. Perzyk, s. 17 und eigener Untersuchungen).
Die meisten Objekte bestanden aus einem Kampfraum für Maschinengewehre und einem gassicheren Vorraum. Der Kampfraum wurde durch eine Panzerplatte mit Scharte (26x30cm) und Beobachtungsspalt geschüzt. Neben dem Eingang mit Panzertür befand sich der getarnte Notausgang. Im Kampfraum hingen auch Pritschen für die Besatzung. In anderen Unterständen gab es auch Bereitschaftsräume für die Infanteriegruppe (z.B. Nr. 1., 9. und 15.). Die Stände sollten mit Strom und Telefon ausgestattet werden. Zur Standartausstattung gehörten: MG 08, Pritschen, Lüfter, Ofen, Möbel, Karbidlampen, Werkzeuge u.v.a. Wahrscheinlich gab es nicht alle diese Sachen in den Objekten. MG-Schartenstände (und andere Unterstände) wurden durch den Schützen- und Verbindungsgraben mit Feuerstellungen und Nestern für Pak verbunden. Zur Verstärkung und Ergänzung der Verteidigung wurden 6 Eisenbetonfeuerstellungen Typ Ringstand 58c (sog. „Tobruk”) gebaut. Die Infanteriehindernisse bestanden wahrscheinlich aus Stacheldraht und Stolperdraht aus Draht. Auf dem Weg nach Sparsee wurde ein Stahlbetonblock mit Sitzen für Stahlbalken angefertigt. (der Plan) Hinter dem Abschnitt gab es auch einen Panzerabwehrgräben. Im Jahre 1935 wurde noch ein Doppel-MG-Schartenstand auf der nördlichen Landzunge des Vilmsses gebaut. (Mehr auf der Seite von Krzysztof Kucharski "Ciekawostki i tajemnice szczecineckich umocnieñ. Szopa nad jeziorem".) Er war als einen Schuppen getarnt und hatte die Aufgabe, die Herrschaft über den See zu sichern. (der Plan) Vom Dolgensee bis Baldenburg gab es rund 50 Stände. Am Dolgensee befand sich ein Stand mit MG in Zweischartenkuppel (D2 - Pz.W. 992). Kriegsjahre
Im Jahre 1939 war der Neustettiner Kreis das Konzentrationsgebiet für Einheiten der Armee-Gruppe „Nord”, die am 1. September Polen überfielen.Während des Krieges befanden sich in Küdde Zwangsarbeiter. (Tadeusz £oszewski, der als Jugendlicher Zwangsarbeiter war, beschrieb diese Zeit, als er bei Erwin Lohrke arbeitete. Lohrke betrachtete ihn als sein eigenes Kind.) Im Januar 1945 begann die Rote Armee eine neue Offensive. Sie durchbrach die deutsche Verteidigung und erreichte sehr schnell die Oder. Die Deutschen wollten eine Gegenoffensive vorbereiten. Der Pommernwall sollte den Konzentrationsraum sichern und die sowjetische Angriffe aufhalten. Im Januar und Februar fanden schwere Kämpfe in der Gegend der Pommernstellung (u.a. um Deutsch Krone, Schneidemühl und einige Abschnitte der Stellung entlang des Pilow-Flusses) statt. Die Russen bereiteten die neue Offensive vor. Die 2. Weissrussiche Front sollte die deutschen Einheiten in Pommern abschneiden und zerstören. Dieser Angriff begann am 24. Februar 1945. Das 3. Garde-Panzer-Korps (GPK) stiess von Vandsburg in nord-westlicher Richtung vor und eroberte Baldenburg schon am 26. Februar. Nach der Eroberung von Schönau besetzten seine Teileinheiten am selben Tag Drensch und Grumsdorf. Die russischen Panzer richteten sich dann gegen Bublitz und Pollnow. Inzwischen mussten die deutschen Behörden die vorher geplante Evakuierung beginnen, aber die Bewohner sollten auf ein Signal – Glockengeläut - warten. Die Mütter mit kleinen Kindern und alte Leute, die keinen eigenen Transport hatten, konnten als erste abfahren.
Am Sonntag, dem 25. Februar wurde Bereitschaft in Küdde erlassen. Am Abend kamen die Bewohner von den Abbauten. Dann wurden Busse für Frauen, Kinder und alte Leute bereitgestellt. In dieser Zeit näherten sich die Einheiten der sowjetischen 19. Armee Hammerstein. Am nächsten Tag hörten die Leute in Küdde die Glocken. Gegen 7 Uhr fuhr der Treck (Gespanne) nach Westen ab. Der Artilleriebeschuss fing schon an. Gegen 10 Uhr waren die russischen Panzer bei Klein Küdde, wo sich der Stab der 15. SS-Waffen-Grenadier Division „Lettland” (SS-Oberführer Karl Burk) befand. Die lettische Artillerie (1. Batallion des 15. Artillerie-Regiments) verjagte die Angreifer weg. Aber es wurde klar, dass die Russen die ganze Division umfassen konnten. Die bei Hammerstein kämpfenden Letten und die deutsche Gruppe „Hämel” mussten sich nach Klein Küdde zurückziehen. Die Russen nahmen Hammerstein und befreiten Kriegsgefangene aus dem Stalag II-B. An diesem Tag stiess das 3. GKK vor. Bis zum Abend erreichte die 32. GKD die Gegend von Neustettin und die 5. GKD rückte auf Soltnitz zu (17.00) nach Drawehns Einnahme. Spitzengruppen waren schon bei Küdde. Inzwischen wurden die Stellungen zwischen Vilm- und Dolgensee durch der Division „Lettland” (34. Regiment, 15. Pionier-Batallion und die Gruppe „Hämel”- im Süden, 33. Regiment – im Osten, entlang des Dolgensees bis Stepen) besetzt. Am 27. Februar morgens griffen die sowjetischen Kavalleristen Neustettin und Küdde an. Die Czepurkins Division besetzte mit Panzerunterstützung schnell Klein Küdde und zwang die Verteidiger zum Rückzug in Richtung der Befestigungen. Auch hier dauerte die Verteidigung nicht lang und wurde rasch durchbrochen (soweit hier es Kämpfe gab). (Die Bunker waren wahrscheinlich verschlossen.) Gegen Mittag besetzte die 15. Div. die Befestigungen bei Sparsee. Dort konnten Letten und Deutsche 7 russische Panzer aufhalten. Sie nutzten die letzten Reserven und konnten 6 Panzer zerstören. Die Situation wurde immer gefährlicher. Am Morgen erreichte das 3. GPK Stepen, Grumsdorf und Bublitz. Westlich von Neustettin lag schon das 2. Garde-Kavallerie-Korps. Die Deutschen hatten Angst vor einer Einkesselung und mussten den Rückzug fortsetzen. In Neustettin dauerten die Kämpfe bis zum Abend und die starken Befestigungen wurden schliesslich in der Nacht zum 27. Februar verlassen. Davor zogen sich Letten und Deutschen aus Sparsee zurück und richteten sich zuerst nach Wurchow, dann nach Bahnhof Elfenbusch - Kussow. Die Rote Armee verfolgte die deutschen Einheiten bis zur Ostsee. Am 3. März wurden die letzte Abschnitte des Pommernwalls besetzt: bei Pollnow und der Abschnitt Rederitz-Pielburgsee. In den Kämpfen zwischen Küdde und Sparsee fielen etwa 10 russische Soldaten. Die deutschen und lettischen Verluste sind unbekannt. Bibliographie:
Ich bin Jens Laschewski für Seine Hilfe bei der Vorbereitung dieser Seite sehr dankbar. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||